Materialexperimente – Druck mit Pappschablone

Eigentlich wollte ich heute etwas anderes posten, bin aber draufgekommen, daß ich kein Foto des fertigen Bildes habe, nur Zwischenstände. Natürlich ist es jetzt draußen finster, also keine Chance mehr auf ein Foto heute (dazu brauche ich Morgensonne, also frühestens nächstes Wochenende…). Also habe ich beschlossen über ein älteres Experiment aus dem Mai dieses Jahres zu schreiben:

Die Wiener Hauptbücherei ist gefährlich, soviel steht fest!
Jedes Mal wenn ich dort bin, finde ich mehr Bücher als meinem Zeitbudget guttun; gleichzeitig bringen mich diese auf zahllose Ideen für eigene kreative Versuche, die für ebendieses noch schlechter sind.

Angelockt von Dörners und Wehltes Büchern über Materialien und Techniken der Malerei war ich zusätzlich auf der Suche nach Büchern über Drucktechniken, da ich immer wieder genervt vor wortkargen und erklärungsarmen Ausstellungstexten stehe und ein für alle Mal wissen wollte, was bestimmte Techniken und Bezeichnungen meinen.

Die zahllosen Möglichkeiten von Radierungen zu unterscheiden ist eine Sache, oder daß man einen Giclèe-Druck auch etwas weniger hochtrabend bezeichnen könnte.
Die großen Museen würden meiner Meinung nach gut daran tun, hier weniger für  KunsthistorikerkollegInnen zu schreiben und etwas mehr für die normalen BesucherInnen mit oder ohne Interesse an Maltechnik, in manchen Ausstellungen ist nicht einmal zu lesen welche Technik verwendet wurde – und immer erschließt es sich nicht (zumindest nicht aus der zulässigen Betrachtungsentfernung).

Wie dem auch sei, mit dabei waren drei Bücher über Drucktechniken ohne Druckerpresse, die ich zuerst aus reiner Neugier mitausgeborgt habe.

Und dann. Dann mußte ich natürlich einige der Dinge ausprobieren, weil nur lesen ohne selbst probieren geht einfach überhaupt gar nicht  🙂

Selbstauferlegte Beschränkung: Arbeiten mit bereits vorhandenen Materialien.
Mit Improvisation und zwei neuen kleinen Farbwalzen (Inkonsequenz in Bezug zur obigen Beschränkung…) ging es los.

Druckversuche mit Pappschablone, selbstgebauter Druckvorrichtung und Acryl- bzw. Ölfarbe auf verschiedenen Papieren 30x40cm (3 Drucke, Mai 2016)

Fazit: Drucken macht Spaß, ist aber in der Vorbereitung recht aufwendig.
Acrylfarbe eignet sich meiner Meinung nach überhaupt nicht, da sie trotz Verzögerer viel zu schnell trocknet und am Papier festklebend dessen Oberfläche beschädigt, vor allem beim glatten, dünnen Papier. Beim gekörnten dünnen Papier weniger, beim dicken glatten am wenigsten.
Ölfarbe funktioniert sehr gut und ist auch deutlich entspannter zu verarbeiten.
Druckfarbe hatte ich keine, aber das war ja Teil der selbstauferlegten Beschränkung in Bezug auf Neukauf.
In der Zwischenzeit habe ich beige und schwarze Linoldruckfarbe von einer Malerkollegin geschenkt bekommen (danke Irene!) hatte aber leider noch keine Zeit sie auszuprobieren.

Und wer immer schon wissen wollte, was mir einfällt, wenn ich spontan eine Schablone brauche und mit einem Stanleymesser vor einem unschuldigen Pappkarton sitze – voilà.
🙂

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Anatomische Studie (Schädel)

Eine anatomische Studie vom 2. März 2016.
Ich bin gerade dabei mich laaaangsam durch die Bammes-Bücher* zu arbeiten, die langen Posen der letzten Wochen – egal ob Portrait oder Akt – sind mir dabei sehr zugutegekommen.

Anatomische_Studie_Schädel-1
Öl auf HF-Platte 30x40cm (März 2016)

Ich habe mir zum besseren Verständnis der Formen für die „Unterkonstruktion“ künftiger Portraits einen Schädel genauer angesehen und nachdem mir schwarz/weiß ein bißchen konventionell erschienen ist diesmal in rot/gelb.

Anatomische_Studie_2_Schädel-1
Schädelstudie – Vorzeichnung mit Kreide auf grundierter HF-Platte 30x40cm (März 2016)

*In der Wiener Hauptbücherei sind nicht nur Bammes, Gottfried Die Menschliche Gestalt (1964) sondern auch Studien zur Gestalt des Menschen (1990) und Arbeitsbuch zur Künstleranatomie (1993) vorrätig, das erstere ist momentan noch bei mir zu Gast 🙂

Link zum online-Katalog der Wiener Büchereien hier