Materialexperimente – Druck – Monotypie I

Hier ein anderes Druckexperiment aus dem Frühjahr 2016, nämlich eine Art der Monotypie.
Dafür habe ich eine Vorzeichnung für ein Bild meiner Lieblingsstiefel benutzt, an dem ich gerade parallel gearbeitet hatte.
Das aus der Vorzeichnung entstandene Bild meiner Stiefel folgt später 🙂

Ich habe die gleiche Druckvorrichtung benutzt wie bei den Papp- und Folienschablonen, nämlich eine alte Glasplatte, an der ich mit wasserfestem Marker und Malerkrepp hauptsächlich an der Unterseite Markierungen für das zu bedruckende Papier und die aufzulegenden Schablonen angebracht hatte.

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Glasplatte mit Markierungen als Druckstock

Für die Monotypien habe ich die Glasplatte innerhalb der gewählten Markierung mit Farbe eingerollt (wieder mit Ölfarbe da ich noch keine Linoldruckfarbe hatte), das an der Glasplatte mit Malerkrepp vorher richtig positioniert festgeklebte Papier vorsichtig darübergelegt, auf die Rückseite des Papiers eine einfache Zeichnung mit einem Pinselstiel aufgedrückt, das Papier wieder abgezogen. Auf der Unterseite des Papiers ist die Zeichnung als Positiv zu sehen.

Danach habe ich ein zweites Blatt auf dieselbe Farbe gelegt, mit dem Handballen angerieben und ein Negativ der vorigen Zeichnung abgedruckt.

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Monotypie, Öl auf Papier, 30x40cm (2016) Positiv und Negativabzug, zweiter Anlauf 

Das geht relativ unkompliziert und rasch, vor allem im Vergleich zu meinen Foliendruckexperimenten. Eine vorherige Grundierung des Papiers oder die Verwendung von Linoldruckfarbe wäre wahrscheinlich sinnvoll, da die Ölfarbe auf Dauer wahrscheinlich das ungrundierte Papier zersetzt.

Auf jeden Fall werde ich mit dieser Technik weiter experimentieren weil unkompliziert, vielseitig weiterverwendbar, spannend!

Auch bei diesem Druckversuch habe ich festgestellt, daß die Ölfarbe lange genug feucht bleibt um sich nicht hetzen zu müssen; eine Zugabe von Leinöl als Verzögerer hat zu einem Verklumpen der Farbe geführt und ist daher meiner Meinung nach nicht empfehlenswert.

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Monotypie, Öl auf Papier, 30x40cm (2016) Positiv und Negativabzug, Erster Anlauf  mit Farbpatzen durch Ölverklumpungen

Kopieren von Alten (und neueren) Meistern?

Bei den letzten Maltreffen haben wir unter anderem über die Sinnhaftigkeit des Kopierens von Alten Meistern zu Studienzwecken und über bevorzugte Kunst- und Stilrichtungen diskutiert.

Die Einen sagen ja, das Kopieren von Alten Meistern ist immer noch eine der besten Möglichkeiten, seine Fähigkeiten zu verbessern und das Kopieren vor dem Original im Museum lohnt den Aufwand.

Die Anderen sagen, dadurch vergibt man sich die Chance auf das Entwickeln eines eigenen Stils und kippt unweigerlich in die Maltechnik bzw. den Stil des oder der Kopierten. Zusätzlich wird das Böse in Form von Plagiat und Fälschung ins Spiel gebracht.

Meiner Meinung nach haben beide Meinungen ihre Berechtigung; mein persönlicher Zugang ist der, möglichst viele verschiedene Kunst- und Stilrichtungen, sowohl Architektur, Malerei, Skulptur anzusehen und alles, das einen anspricht, zu interpretieren (ob das jetzt ein Selbstportrait im Stil des Kubismus ist oder das zeichnerische Erforschen eines Gemäldes)  bzw. auch zu kopieren – und dann das Ergebnis deutlich als Kopie zu kennzeichnen, dann können keine Zweifel aufkommen und durch das kopieren oder imitieren aller möglichen Techniken und Stilrichtungen entwickelt man unweigerlich seine Fähigkeiten bzw. Technik.

Das Veröffentlichen von urheberrechtlich geschütztem Content ohne Einverständnis des Urhebers – vor allem wenn er oder sie noch lebt – ist auch bei Nennung der Quelle bzw. des Urhebers heikel, das Nennen des Urhebers ersetzt nicht dessen Zustimmung.

Wie das beim Veröffentlichen von als solche gekennzeichneten Kopien oder Interpretationen von urheberrechtlich geschütztem Content genau aussieht, muß ich noch genauer recherchieren – und werde drüber berichten.

Meine Version von Ol‘ Scarface aus World of Warcraft veröffentliche ich jetzt auch auf die Gefahr hin, sie später wieder entfernen zu müssen und hoffe auf eine kleine Grauzone 🙂
Er paßt vor allem so gut zu meiner heutigen Stimmung vor dem morgigen ersten Arbeitstag inkl. ständiger telefonischer Erreichbarkeit nach 2,5 Wochen (Mal)urlaub im Flugzeugmodus nur mit WLAN…

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Kopie nach einem Motiv aus World of Warcraft (Orc Krieger „Ol‘ Scarface“) 
Öllasuren über Eitemperauntermalung auf Leinwand, 40x50cm (2015)

Wobei ich eigentlich nie Orcs gespielt habe (mein Orc-Krieger ist glaub ich auf Stufe 11 steckengeblieben) sondern einen Nachtelfen-Jäger; nachdem aber viiiiel Zeit draufgeht (und man wirklich leicht „reinkippt“…) spiele ich seit fast 4 Jahren nicht mehr, außerdem habe ich – den Spielcharakter völlig ignorierend – so gut wie immer alleine gespielt und bin manchmal mehr durch die Welten gelaufen um mir die genialen Landschafts- und Stadtentwürfe anzuschauen als meine Quests zu erledigen… wahrscheinlich hatte die Malerei damals schon heimlich Ihre Finger nach mir ausgestreckt 🙂

Über andere Kopien habe ich bereits an anderer Stelle (Hommage an Franz Marc) berichtet.

Was ich absolut ablehne, ist das rundherum leider nach wie vor beliebte abmalen oder digital weiterbearbeiten irgendwelcher im Internet „gefundener“ Motive, um sie dann als eigenständige Werke auszugeben.

Und dann auf Nachfrage zu erklären „das machen eh alle so“ oder „die Kunst frei“ oder „ich hab es ja eh gespiegelt und weiterbearbeitet, das ist jetzt was ganz neues“ oder sogar „aber wenn ich auf rechte Maustaste drücke und es speichere, gehört es mir und ich kann damit machen was ich will, ich verstehe nicht warum ich das Bild nicht als Illustration meiner Webseite verwenden darf, da hat mir so ein böser Anwalt geschrieben…“

Autsch, das tut richtig weh.